Eiskletterfortbildung im Rückblick

Wir kämpften gegen Schnee, Eis und Kälte.

von Paul Gelhard

Neun Jugendleiter aus Leipzig und Restsachsen traten in den frühen Morgenstunden des 22. Januars 2015 die Reise in die österreichischen Alpen an. Wir sammelten uns zwischen 8:45 und 10 Uhr am Leipziger Hauptbahnhof. (12°C bewölkt)
Nachdem das Gepäck in bester Tetris Manier im Bus verstaut wurde und die Tür nur noch mit sehr viel Gewalt zuging, (wir Männer standen im Gepäckmaß der Frau in Nix nach), kam unser Teamer Nr.1 Jens mit seinem Riesentransporter um die Ecke gefahren.
Also Alles wieder raus, neu verteilt, und aufgesessen! 63 Minuten, nach verabredetem Zeitpunkt begann das Abenteuer. Ohne weitere Hindernisse rollte unser Tross über Rosenheim (3°C Nieselregen), um Teamerin Nr. 2  (Lissy: wäre, so denke ich, am liebsten mittels Gleitschirm, auf das fahrende Auto aufgesprungen, doch die örtlichen Hochspannungsleitung hielt sie davon ab.) ein zu sammeln, an sein Ziel: Rauris Tal (3° C , leichter Schneefall)

Am Parkplatz warteten wir auf den Hüttenwirt, der uns die restlichen sechs Kilometer hinauf zur Hütte bringen sollte. Wir rätselten noch mit welchem Gefährt er uns transportieren wolle, als plötzlich ein Pickup dem Wald entsprang. In meinem Kopf ratterte die Rechenmaschine: ein Berg von Rucksäcken und Taschen, 2 zarte Frauen, 9 Männer……
Deren Testosteron befeuerte Phantasien in der Zwischenzeit Bilder von dem was da gleich kommen mag zu malen begannen, als das berechnete Platzproblem, durch erweitern der Ladefläche mittels Anhänger gelöst wurde. Die Freude war groß! So verteilten wir uns und unser Gepäck. Auf ging es.
Stehend auf dem Truck oder zwischen Packsäcken liegend im Anhänger: Der Wind fuhr uns mit eisiger Kälte in die lachenden Gesichter als wir in der Abenddämmerung die Serpentinen der Passstraße nach oben fuhren und nach einer viel zu kurzen Zeit die Unterkunft erreichten. Bergfreunde Haus Kolm Saigurn (leichter Schnee 2° C)
Wir bezogen das Quartier und frischten uns auf. 18.30 Uhr hieß uns der Wirt Hermann Maislinger mit einem deftigen, regionaltypischen 3 Gängemenü offiziell Willkommen.


Auf diese Art gestärkt, versammelten wir uns wieder um Erstkontakt zu Steigeisen und Eisgeräten auf zu nehmen. Jeder Fuß bekam einen passenden Schuh und jeder Schuh bekam ein passendes Eisen. Wir lernten: Hammer und Hauen werden beim Eisklettern am Gerät nicht benötigt, bieten sogar verborgene Gefahrenquellen. (Haue im Gesicht = Schmerz) Es wurde angefasst und angepasst, Spitzen gefeilt …….
Nachdem alles für den nächsten Tag vorbereitet und geklärt worden war, die wichtigste Frage dabei bezog sich vorallem darauf, wann es Frühstück gibt, vielen wir in unsere Betten und schliefen ein. Zum Glück schnarchten nur 11% unserer Zimmerbesetzung, die mit ein paar sanften Tritten wieder ruhig gestellt wurden.


Als ich am nächsten Morgen (wolkig mit Aussicht auf Schnee, 3° C) aufwachte und mein Blick aus dem Fenster fiel, sah ich nichts als Schnee. Reinen, weißen Schnee. Schnell angezogen, noch ein bisschen in der hauseigenen Bibliothek geschmökert, die Teamer beim Erkundungsgang beobachtet und dann ab zum Frühstück.
Nach unseren Mägen wurden auch die Rucksäcke befüllt und anschließend geschultert. Dann hieß es Verschüttetensuchgeräte angemacht. Draußen vor der Hütte erhielten wir eine Einweisung in Sachen Funktionsweise und Handhabung von Pieps und Co, wie sie zu benutzen sind und wie man sie am besten in einer Gruppe testet.


Dann endlich machten wir uns auf den Weg zum Wasserfall, der bereits die ganze Zeit vor unserer Nase aufragte. 50 Höhenmeter festes Eis in guter Qualität. Das der direkte, nicht automatisch der beste Weg ist, befanden wir, als der Unsere, frisch durchs Unterholz zu spurende, plötzlich auf eine zum Ziel führende “Autobahn” stieß. Auf dem gut
ausgelatschten Pfad fielen die restlichen Meter leicht. Dann noch schnell einen Lagerplatz geschaufelt und los ging es.
Wir hackten und hämmerten was das Material her gab, hoch und runter, von links nach rechts (ja Eisbouldern gibt es auch). Es wurde gebohrt und schraubt, …. wir hatten also Spaß. Das unser Tun noch lange kein Eisklettern war, darüber klärten uns Lissy und Jens nach der ersten Unterrichtseinheit auf. Von der Art die Eisgeräte (fälschlicher Weise oft Pickel genannt) richtig an zu fassen über Schlag und Trittechnik bis zum legen von Zwischensicherungen wurde in Theorie und Praxis gelehrt, bis die Dämmerung uns zurück zur Hütte trieb.
Nach dem Abendessen, konnten wir uns noch einen Vortrag zu Thema Stop or Go (Entscheidungsmanagent zum Einschätzen von Lawinengefahr) lauschen bevor der Tag in geselliger Runde ausklang.


Neuer Tag (immer noch wolkig, 1° C), neues Glück. Wir marschierten, nachdem wir die Pipser angeschaltet und getestet hatten, wieder zum Wasserfall des Vortages, da Wiederholung ja bekanntlich festigt. Diesmal nahmen wir gleich den gespurten Weg und waren ruckzuck da. Am Lagerplatz angekommen wurde zuerst der Espressokocher ausgepackt und als alle auf das ersehnte Heißgetränk warteten, passierte das Unglück: Stichflamme, Schreck, verbrannte Haare und als Ergebnis Eiskaffee…
Während der Kocher neu aufgesetzt wurde bereiteten sich einige auf ihren ersten Vorstieg vor. Keine Ringe, kein Kletterführer, nur der Sachse und das Eis. Im unterschied zum Elbsandsteingebirge darf man allerdings seine Sanduhren bohren und in diesen Fall Metall einschrauben, wo und so viel man will. Halten sollte es nur!
Also wurde wieder geschraubt, gebohrt und nach acht Stunden draußen auch mächtig gefroren. (Nieselregen, 0°C)


Wie es sich für Jugendleiter gehört wurde das ganze Erlebnis Eisklettern nach dem Abendbrot und vor dem Kartenspiel fachgemäß reflektiert. Lob und ein bisschen Kritik wurden ausgesprochen und Situationen, sowie andere Seilschaften analysiert. Anschließend lies man den Tag wie am Abend zu vor in Ruhe sich seinem Ende zuneigen.
Am nächsten Tag piepten wir uns nurnoch an! (Sonne ,1°C)
Doch ehe es dazu kam, hieß es zum letzten Mal ordentlich frühstücken und dann wurden auch schon die Sachen zur Abreise gepackt. Der Pickup wurde beladen, diesmal allerdings ohne uns, denn wir wählten ein anderes Fortbewegungsmittel. Was würde sich besser eignen, um elf Erwachsenen ein eisiges Lächeln ins Gesicht zu zaubern, als eine sechs Kilometer lange Rodelpartie ins Tal hinab. Wir legten uns also in die Kurven, schubsten uns von den Schlitten und bewarfen uns mit Neuschnee, während uns sehnsüchtige Augen verfolgten, deren Besitzer gerade erst beim Aufstieg waren.
Auf dem Parkplatz wurde es dann nochmal ernst. Wieder einmal wurden die Pipser gezückt und diesmal wurde die Physik dieser Geräte verdeutlicht, in dem wir uns feldlinienförmig auf ein simuliertes Opfer zubewegten. Je näher wir ihm kamen, desto lauter und schneller wurden die Pipstöne und alle waren heilfroh als man den Rucksack erreicht hatte und endlich diese nervtötenden Geräusche ausschalten konnte.
Dann hieß es: Aufsitzen! Türen schließen! Und los ging es gen Heimat!
Mark Uwe erzählte was vom Känguru, während der Fahrer den Fuß auf dem richtigen Pedal positionierte. So kamen wir vor dem Ende zufrieden und glücklich in Leipzig an. Mir bleibt nur zu sagen: schee wars!

Text von Alex und Elli

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